Dufte!
Design, Fremde Kulturen 19. April 2008Ich habe gelernt, dass man Branding immer häufiger auch riechen kann. In der PAGE (02.08) war in einem Artikel über Duftmarketing zu lesen, dass lange schon nicht nur Deo und Duschzeug, sondern auch Putzmittel oder Weichspüler über den Duft verkauft werden: Der General — Orangenblüte-Sanddorn oder Zitronenmelisse? Lenor MYSTERY — Shangri-La oder Sahara? Das finde ich noch einigermaßen einleuchtend.
Wirklich erstaunlich finde ich, wenn für ein global agierendes Unternehmen wie Singapore Airlines eine Duftnote — Corporate Scent — entwickelt wird, die für Kabinen, Erfrischungstücher und sogar Stewardessen “benutzt” wird. Das wird dann so genannt:
… das olfaktorische Design … eingebunden in eine holistische Markenstrategie…
Erstaunlich, weil Düfte doch je nach Klima ganz anders wirken und in verschiedenen Kulturen unterschiedlich wahrgenommen werden. Habe ich mich schon häufiger gewundert, wenn es im südlichen Europa penetrant nach Chlor riecht, musste ich jetzt lernen, dass das kein Versehen ist. In Italien oder Spanien wird Chlor angeblich als “angenehmer”, mit Sauberkeit assoziierter Duft wahrgenommen. Und deshalb werden Putzmittel ohne Chlor zumindest mit Chlorduft versehen!
Forscher denken wohl weitergehend darüber nach, wie bestimmte “Duftmarken” klingen. Hört sich komisch an. Gemeint ist: Man möchte mit einem Klang und einem Duft die gleichen Hirnregionen stimulieren. Abgefahren, wenn ihr mich fragt. Und ein bisschen beängstigend.
Mich hat der Artikel sehr fasziniert. Unter anderem, weil ich kürzlich in einem Hotel weilte, das meines Erachtens olfaktorisches Design testete. Für meine mitteleuropäische Nase viel zu penetrant. Genau genommen stank es. So ähnlich wie in Douglas Filialen, die ich genau aus diesem Grund meide. Das ist ja aber auch nur eine Frage der Zielgruppe, ich gehöre wohl in beiden Fällen nicht dazu.

19. April 2008
Dazu passt ein Zitat aus der “Stadt der träumenden Bücher” von Walter Moers, dass ich wärmstens zur Lektüre empfehle. Dort ist die Rede vom Beruf des Exlibris-Parfümisten: “Schon seit Jahrhunderten pflegten wohlhabende Sammler ihre Bücher zu parfümieren, mit Düften, die ganz individuell für sie hergestellt worden waren. Damit verliehen sie ihren Schätzen einen riechbaren Stempel.” Zwei Seiten später kommt dem Protagonisten seine Lehre der Parfüm-Exlibristik zugute, denn er ist auf der Suche nach einem bestimmten Buch: “Ein Schnuppern genügte ihm, und er wußte, dass ein ganzer Raum voller Folianten einmal jenem Sammler gehört hatte, der all seinen Büchern den Geruch von frischgebrühtem Kaffee verlieh. Damit konnte er mit Sicherheit ausschließen, dass sich die gesuchten Werke darin befanden …, denn das Exemplar hatte einem Exzentriker gehört, der so verrückt nach Katzen gewesen war, dass er senen Büchern den unangenehmen Geruch von Katzenurin hatte geben lassen.”
- dann vielleicht doch besser Chlor?
22. April 2008
Das Buch werde ich mal auf meine Wunschliste setzen!
18. September 2008
Gerade habe ich mal wieder von einem Einsatz des Duft-Marketings gelesen, der mich erschreckt: “Beduftung” von Läden. Aromen werden
Oder vor dem Laden, möchte ich ergänzen.
Wie kann es sein, dass einschlägige Fastfood Ketten schon von weitem über den Geruch ortbar sind? Schon vor Jahren vermutete ich, dass hier Aromen gezielt in die Umwelt verteilt werden. Ich glaube, mir hat nie jemand zugehört.
Komischerweise hielt ich dieses Phänomen bei Bäckereien für total natürlich, vielleicht weil ich den Duft frischer Backware einfach mehr schätze. Ich glaube, hier ist eine Abhängigkeit zwischen Qualität und Duft zu erkennen. Das werde ich in den nächsten Tagen noch einmal in einem völlig unrepräsentativen Test überprüfen. Unsere Straße eignet sich hervorragend dafür. Sie mutiert nämlich momentan zur Backstraße. Obwohl es im Umkreis weniger Gehminuten bereits einen echten Qualitätsbäcker und einen Qualitätskettenbäcker gibt, haben zwei weitere Läden mit Backwaren ihre Türen geöffnet. Vor dem als Billigladen aufgemachten Eckladen duftet es — glaube ich — tatsächlich mehr. Während mir das vor der guten alten “Kleinen Konditorei” noch nie aufgefallen ist.
Drauf gekommen über Von Holzofenbrot-Parfum bis hin zum Neuwagen-Echtleder-Duft