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Nach wie vor, trotz aller Kritik und zum Ärger aller Fahrradfahrer, gestattet die Bahn die Mitnahme von Fahrrädern im ICE nicht. Am Wochenende lernte ich nun auf der Fahrt von Berlin nach München, dass diese Firmenpolitik auch konsequent und im Zweifel mit Unterstützung der Staatsgewalt durchgesetzt wird.

Ein Fahrgast positionierte ein Fahrrad an für die Gepäckaufbewahrung vorgesehener Stelle. Da diese genau so wenig ausgelastet war, wie der gesamte Zug, kam es hierdurch zu keinerlei Beeinträchtigung. Dennoch war dieses verbotene Objekt ein Dorn im Auge des Zugchefs. Der Besitzer des Fahrrads wurde ausgerufen und nach kurzer Unterredung mit dem Zugchef zum Aussteigen am nächsten Bahnhof aufgefordert. Ganz widerstandslos wollte sich der Fahrgast dem jedoch nicht beugen: Er schloss das Fahrrad in einem unbeobachteten Moment an geeigneter Stelle an, um sich anschliessend im Zug zu verstecken. Dies missfiel dem Zugchef sehr, da beim nächsten Halt sowohl Fahrrad als auch offensichtlich der Passagier noch an Bord waren. Mit Hilfe von zwei Polizisten wurde der weiterfahrende Zug nach dem Fahrgast durchsucht, wenngleich erfolglos. Am nächsten Bahnhof wurden die zwei überforderten Beamten von einer vierköpfigen, bewaffneten Einheit unterstützt. Diese wurden dem Delinquenten während unserer zwanzigminütigen Zwangspause zwar auch nicht habhaft, es gelang ihnen jedoch schliesslich das Fahrrad mit Hilfe eines überdimensionierten Bolzenschneiders zu entfernen. (Ein Mitreisender kommentierte: “Guck mal, die Bullen Polizisten klauen ein Fahrrad”). Der Verbleib des Fahrgastes blieb im übrigen ungewiss.

Ordnung muss eben sein in Deutschland, auch wenn der gesunde Menschenvestand hierbei auf der Strecke bleibt.

Ich frage mich, wie ein solcher Sachverhalt beispielsweise einem jener Afrikaner oder Asiaten, die sich oftmals mit völlig überfüllten und überpackten Verkehrsmitteln fortbewegen müssen, zu vermitteln wäre. Wahrscheinlich gar nicht.