Fahrräder im ICE
Allgemein 13. August 2007Nach wie vor, trotz aller Kritik und zum Ärger aller Fahrradfahrer, gestattet die Bahn die Mitnahme von Fahrrädern im ICE nicht. Am Wochenende lernte ich nun auf der Fahrt von Berlin nach München, dass diese Firmenpolitik auch konsequent und im Zweifel mit Unterstützung der Staatsgewalt durchgesetzt wird.
Ein Fahrgast positionierte ein Fahrrad an für die Gepäckaufbewahrung vorgesehener Stelle. Da diese genau so wenig ausgelastet war, wie der gesamte Zug, kam es hierdurch zu keinerlei Beeinträchtigung. Dennoch war dieses verbotene Objekt ein Dorn im Auge des Zugchefs. Der Besitzer des Fahrrads wurde ausgerufen und nach kurzer Unterredung mit dem Zugchef zum Aussteigen am nächsten Bahnhof aufgefordert. Ganz widerstandslos wollte sich der Fahrgast dem jedoch nicht beugen: Er schloss das Fahrrad in einem unbeobachteten Moment an geeigneter Stelle an, um sich anschliessend im Zug zu verstecken. Dies missfiel dem Zugchef sehr, da beim nächsten Halt sowohl Fahrrad als auch offensichtlich der Passagier noch an Bord waren. Mit Hilfe von zwei Polizisten wurde der weiterfahrende Zug nach dem Fahrgast durchsucht, wenngleich erfolglos. Am nächsten Bahnhof wurden die zwei überforderten Beamten von einer vierköpfigen, bewaffneten Einheit unterstützt. Diese wurden dem Delinquenten während unserer zwanzigminütigen Zwangspause zwar auch nicht habhaft, es gelang ihnen jedoch schliesslich das Fahrrad mit Hilfe eines überdimensionierten Bolzenschneiders zu entfernen. (Ein Mitreisender kommentierte: “Guck mal, die Bullen Polizisten klauen ein Fahrrad”). Der Verbleib des Fahrgastes blieb im übrigen ungewiss.
Ordnung muss eben sein in Deutschland, auch wenn der gesunde Menschenvestand hierbei auf der Strecke bleibt.
Ich frage mich, wie ein solcher Sachverhalt beispielsweise einem jener Afrikaner oder Asiaten, die sich oftmals mit völlig überfüllten und überpackten Verkehrsmitteln fortbewegen müssen, zu vermitteln wäre. Wahrscheinlich gar nicht.


13. August 2007
Der Typ muss ja wirklich sehr cool gewesen sein. Wobei so richtig verwundert bin ich über das Verhalten der Bahn eigentlich nicht – das hätte ich denen schon so zugetraut – leider …
13. August 2007
Eine gewisse Coolness kann man ihm in der Tat nicht absprechen. Aber dass er dann einfach sein Fahrrad aufgegeben hat…
13. August 2007
Wie ich vor kurzem gelernt habe, hätte der Fahrgast dem ganzen Drama durch einen relativ einfachen Trick wohl völlig “legal” entkommen können. Entfernt man das Vorderrad, gilt das Fahrrad angeblich als Gepäckstück, und die Bahn kann nix dagegen machen. Bemerkenswert ist, dass ich diese Info tatsächlich letzthin posten wollte. Das vergaß ich leider. Sonst hättest du dem Zeitgenossen einen kleinen Hinweis geben können…
13. August 2007
Wo ist sowas geregelt? Gibt es für sowas tatsächlich Gesetzte? Ich will nämlich demnächst ebenfalls ein Fahrrad transportieren und bin im Prinzip auf den ICE angewiesen.
14. August 2007
Rad-Abteile gibt es bei der Bahn zwar nur im IC und in den Regionalzügen. Wer ein Klapp- oder Faltrad hat und dieses gut verpackt, kann es aber auch kostenlos im ICE als Handgepäck transportieren. Voraussetzung ist, dass das Paket in die Gepäckablage passt. “Das muss aber nicht unbedingt die Ablage über den Sitzen sein. Auch wenn das Rad hinter dem Sitz oder in der Ablage an den Türen der Großraum-abteile Platz findet, kann es kostenlos mitgenommen werden”, sagt ein Bahn-Sprecher. Gleiches gilt im Allgemeinen für demontierte und verpackte Fahrräder: Entsprechen sie einem Gepäckstück der üblichen Größe, dürfen sie mit in den ICE.
15. August 2007
und die Quelle dazu:
http://www.abendblatt.de/daten/2007/08/04/778902.html
16. August 2007
Für Rennräder gibt’s Taschen: Laufräder rausnehmen, alles in die Tasche, und schon ist alles ein normales Gepäckstück. Für normale Räder sind die Taschen aber meist etwas zu klein, wegen Gepäckträger+Schutzblechen.
16. August 2007
Neuer Spass für Bahnreisende: 5,- Euro “Gurke” (von der Fundsachenversteigerung o. ä.) mit innen ICE nehmen und da anschliessen … so lange, bis die Bahn ein Einsehen hat und ihre Beförderungsbedingungen wieder normalisiert.
16. August 2007
Mit einem Kryptonite Schloss wär das nicht passiert
16. August 2007
Ein Spass wäre auch, ein Call-a-bike Rad der Bahn im ICE anzuschliessen…
16. August 2007
17. August 2007
“… “legal” entkommen können. Entfernt man das Vorderrad, gilt das Fahrrad angeblich als Gepäckstück, und die Bahn kann nix dagegen machen. …”
Demontiert und Verpackt! Denn dann gilt ein Fahrrad (mal von Falträdern abgesehen) als Reisegepäck. Zitat aus den DB Beförderungsbedingungen:
“… ein Stück Traglast mit sich führen. Traglasten sind Gegenstände, die – ohne Handgepäck zu sein – von einer Person getragen werden können. …”
Das hat mit Radtaschen (kein Koffer) von Rose bei uns im ICE, IC und Nachtzug (letztere ohne Reservierung) geklappt.
Alles andere ist riskant, ich habe letzte Woche erst wieder “Jagdszenen” von den Zugbegleitern in Mannheim erlebt mit einem zerlegten aber nicht verpackten Rennrad.
17. August 2007
“Aber dass er dann einfach sein Fahrrad aufgegeben hat…”
- Naja, vermutlich lagen schon die GSG9 Scharfschützen bereit um ihn beim Verlassen des Zuges über sein Fehlverhalten “aufzuklären”.
“Mit einem Kryptonite Schloss wär das nicht passiert”
- So ein Ding hab ich mal für viel Geld gekauft. Habe dann aber im Web erfahren, daß das Ding mit einem einfachen Filzstift zu öffnen ist. o.O Kryptonite hat reagiert und neue Schließzylinder verbaut, da passiert das nicht mehr. Die unsicheren Schlösser wurden für U.S.-Kunden kostenlos getauscht, für Europäer leider nicht. Ergo: In Zukunft kaufe ich Abus.
17. August 2007
Neulich bin ich mit auseinandergepackten Rad mit dem Thalis gefahren. Die Regeln zum Radtransport sind da genauso, wie beim ICE. Radtasche taugte in diesem Fall nicht, weil ich die auf der Radreise (1000 km) nicht mit mir rumschleppen wollte.
In Paris “durfte” ich dann mit dem Rad in der einen Hand und zwei kleien Ortlieb-Packtaschen in der anderen den Bahnhof wechseln. Die Laufräder des Rades waren rechts und links per Packetschnur am Rahmen befestigt, die Rahmenrohre habe ich mit Schaumisolierung umhüllt (kommen normalerweise um Heizungsrohre) und das “Radpacket” habe ich mit Gewebefolie umhült (an den Ösen mit Kabelbinder fixiert). Gewebefolie und Schaumisolierung habe ich am Zielort entsorgt.
Der Wechsel des Bahnhofs in Paris hat mir derart bepackt so wenig Spass gemacht, das ich nie mehr wieder auf diese Art reisen werde. Im Flugzeug kann das Rad “am Stück” bleiben. Bis zum Flughafen ist es fahrbereit und kann meine Packtaschen transportieren.
Der Umwelt zuliebe würde ich gerne öfter mein Rad mit der Bahn mitnehmen. Aber nicht mit der Deutschen BundesBahn.
Gruß,
Peter
18. August 2007
Ich bin schon 20 x mal mit einem verpackten Rennrad in einer Brüggelmanntasche gefahren aber einmal aus der ICE in einen IR und plötzlich wollte der Zugführer 12 € für mein verpacktes “Herrenrad”! Nach meiner Beschwerde hat die Bahn bestätigt, dass Reisegepäck nur das ist was man oben verstauen kann. Den Brief habe ich leider nicht aufgehoben. Es kann aber 100 x klappen, nur ist es alles leider eher Kulanz und nicht ein Recht.
viel Spass beim Zug-/RAdfahren,
Paul
20. August 2007
“Die unsicheren Schlösser wurden für U.S.-Kunden kostenlos getauscht, für Europäer leider nicht.”
stimmt nicht. mein kryptonite-schloss wurde damals problemlos umgetauscht. kryptonite hat den radläden neue schlösser zum kostenlosen umtausch gegen das alte zur verfügung gestellt.
23. Juni 2009
Hab mal ne Frage.
Bin Studentin und im Juli mit dem Studium in Paris fertig.
Habe ca. 3 Koffer Gepaeck.
Wie kann ich 2 Koffer von Paris nach Berlin billig transportieren (schicken) und ich selbst fliege mit dem 3. koffer oder fahre mit der Bahn…kann ja nicht 3 Koffer gleichzeitig tragen.
Danke fuer die Antwort!!!
25. Juni 2009
@Nina: schon mal zur (Wieder)eingewöhnung in Berlin:
Is ditt hia die Auskumft, oda watt?
26. Juni 2009
gidf.de